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Einblick in eine verletze Seele
Die Malerin Marion Lucka führt durch ihre Ausstellung. Wie sie sagt, entdecken Kinder in ihren Bildern nichts Düsteres.

Arzberg - Mit einem - freundlich ausgedrückt - "Missverständnis" -, begann das Künstlergespräch mit Marion Lucka im Volkskundlichen Gerätemuseum Arzberg-Bergnersreuth, so, dass es beinahe gleich wieder zu Ende gewesen wäre. Ein Besucher geriet mit der Malerin aneinander, woraufhin diese ein paar Minuten brauchte, um sich wieder zu sammeln. Doch letztlich entwickelte sich der lockere Rundgang durch die wunderschöne Ausstellung "Blau-Violett" zu einem erbaulichen Ereignis mit aufschlussreichen Erkenntnissen für die Handvoll Gäste.

Wer hätte wohl gedacht, dass auf dem Bild "Weihnachtsstimmung" "kotzende Etwase" zu sehen sind? Oder dass die Künstlerin manches ihrer Bilder als "schlampig" oder "nahe am Kitsch" bezeichnet? Dass sie Angst hat, sich mit der Ölfarbe zu vergiften oder dass sie in der diffusen Vorahnung ihrer Schwangerschaft im Jahr 2001 anfing, Engel in rauen Mengen zu malen? Solche und weitere spannende Geheimnisse gab Marion Lucka in dem Gespräch mit Fans und Kunstinteressierten preis.

Wie schon bei der Ausstellungseröffnung festzustellen, war die von Kopf bis Fuß in Violett gewandete Künstlerin auch bei der persönlichen Führung ganz nah bei den Leuten, plauderte, nach der anfänglichen Schrecksekunde, locker drauf los, lachte mit ihren Zuhörern, schonte sie aber auch nicht mit traurigen Einblicken in ihre verletzte Seele. Ihr Publikum war bereit, sich auf ihren Schmerz einzulassen, war bemüht, zu verstehen. Überraschende Aussagen, die so wunderbar normal wirkten, etwa die, dass Marion Lucka eine Zeitlang geschmiert habe, weil ihr nicht bewusst gewesen sei, dass sie eine Brille braucht, schafften den Ausgleich zwischen den düsteren Abgründen im Innern der Künstlerin und dem, was den meisten als "normal" gilt.

Wie lange Marion Lucka an einem Bild arbeite und ob sie gleichzeitig an mehreren Werken sitze, wollte eine Besucherin wissen. Die Dauer, bis ein Bild fertig ist, sei von dessen Größe abhängig und davon, wie viel Zeit sie habe, entgegnete Lucka. Niemals male sie an mehreren Bildern. "Das ist das bisschen Ordnung, das ich in meinem Leben habe."

Vier Quadratmeter sei ihr Atelier groß, eine bessere "Puppenstube". Ihre Technik sei seit ihrem elften Lebensjahr, als sie mit dem Malen begonnen habe, immer die gleiche gewesen. Nur einmal habe sie aus Angst, sich mit den Lösungsmitteln auf Dauer zu vergiften, ein halbes Jahr lang Acryl- statt Ölfarben verwendet. "Aber das war nichts für mich." Gelernt habe sie das Malen, so, wie sie es praktiziere, nie.

Allen, die malen wollten, empfahl sie, einfach drauflos zu malen. "Man kann niemanden zwingen, auf eine bestimmte Art zu malen." Ihrer Tochter lasse sie zum Beispiel alle Freiheiten.

Sie male einfach wunderschön, auf ihre Art eben. Vor Kindern allgemein, das wurde im Gespräch deutlich, hat Marion Lucka offenbar höchsten Respekt. "Kürzlich waren eine dritte und vierte Klasse in meiner Ausstellung", berichtete sie. Die Kinder hätten mit ihrem unverfälschten Blick in ihren Bildern rein gar nichts Düsteres gesehen, ganz im Gegensatz zu Erwachsenen.

"Dabei", so sagt sie, sind meine Werke im Vergleich zu dem, was in den Medien gezeigt wird, doch wirklich harmlos."

Text- und Bildquelle: www.frankenpost.de



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© 2012 by Stefan Klaubert