| Autorenlesung |
Vom Sterben mitten im Leben
Silke Meier aus Selb präsentiert eine treffliche Textauswahl bei einer Lesung im Gerätemuseum. Zwei Geschichten stammen aus ihrer Feder.Arzberg – Ein Thema, das wohl nicht unbedingt zur bevorzugten Standardlektüre auf dem Nachttisch oder im leichten Fluggepäck gehört, der Tod nämlich, war Gegenstand eines Vortragsabends im Volkskundlichen Gerätemuseum Arzberg/Bergnersreuth mit der Selber Autorin Silke Meier.
Eine Lesung hat den entscheidenden Vorteil, dass sich der Zuhörer entspannt zurücklehnen und einfach nur zuhören darf. Auch die Auswahl des Lesestoffs bleibt dem Konsumenten erspart. Silke Meier bewies dabei Fingerspitzengefühl, präsentierte der Handvoll Zuhörer Teile ganz unterschiedlicher Bücher, verbunden durch den roten Faden „Tod“. Oder besser gesagt: dem Sterben und den daraus resultierenden Empfindungen der Betroffenen. Jeder trauert anders, jeder gewinnt andere Erkenntnisse daraus, jeder handelt anders, wenn ihn mehr oder weniger nahe das Sterben trifft. Einer, für den der Tod ein Geschäft ist, hat ein Buch über seine Erfahrungen geschrieben: Peter Wilhelm – „Gestatten, Bestatter! Bei uns liegen sie richtig“. „Ich habe täglich mit toten Menschen zu tun, aber auch mit deren sehr lebendigen Hinterbliebenen. Tote sind friedlich und machen keine Probleme. Mit den Lebenden ist das oft anders – und genau davon möchte ich erzählen“, schreibt Wilhelm im Vorwort. Silke Meier zitiert daraus und im Folgenden vier Episoden aus dem anrührenden, erschütternden, erheiternden, schockieren - den Erlebnissammelsurium aus der Parallelwelt an der Grenze zwischen Leben und Tod.Für den Einstieg sucht sich die Vortragende eine Rocker-Beerdigung aus. Ein Biker ist tödlich verunglückt, seine Kollegen aus der Clique wollen ihm auf ihre Art die Ehre erweisen, im Clubhaus auf den Verstorbenen mit einem Bierchen anstoßen. Herr Bestattermuss kreativ sein, um die Wünsche zu erfüllen. Doch es gelingt. Er ist gerührt von der liebevollen Trauer der martialischen Rocker. Dann liest Silke Meier die Geschichte von Oma Gretl, deren einziger Wunsch es ist, neben ihrem verstorbenen Mann Paul beerdigt zu werden. Mehr als 60 Jahre Ehe sollen in der Ewigkeit nicht ihr abruptes Ende finden. Liebe bis über den Tod hinaus. Zu schlucken haben die Zuhörer, als sie mit dem Tod des 15-jährigen Sven konfrontiert werden. Dessen Vater sucht Nähe und Trost beim Bestatter, der mit ihm aufrichtig um den Sohn weint. Und zum Schluss der „Gestatten, Bestatter“-Auswahl wird es kurioslustig: Ausgerechnet mitten in der Faschingssaison stirbt ein Mitglied des Karnevalsvereins. Die Vorstände mühen sich, dem Begräbnisunternehmer Verständnis dafür abzuringen, den Leichnam für einen Monat einzufrieren, denn eine Beerdigung passe gerade gar nicht. Der Bestatter findet eine moralisch vertretbare Lösung.
Das Publikum von Silke Meier kennt sie. Allen anderen muss das Selbstlesen dieses ungewöhnlichen Buchs nahe gelegt werden. Im zweiten Teil der Lesung trat Silke Meier als Autorin in Erscheinung und brachte ihrem Auditorium zwei eigene Werke zu Gehör: „Dein letztes Hemd hast du gelassen“ aus ihrer Kurzgeschichtensammlung „Filz und Firlefanz“ und „Gefunden“, ihrem Beitrag zu dem Sammelband „Reich beschenkt“. „Gefunden“ hat Silke Meier im Angesicht des Todes den Trost im Glauben: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“, liest und bekennt sie. Ihre Textauswahl war ausgewogen. Sie überforderte die Zuhörer nicht, schonte sie aber auch nicht. Der Tod ist nicht nur traurig. Er kann und darf sogar ein bisschen lustig sein. Auf jeden Fall gehört er zum Leben und damit mitten hinein ins Bewusstsein.
Text-Quelle: www.frankenpost.de
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